Am 25. April findet in der Martinigemeinde des evangelikalen Predigers Olaf Latzel die Tagung „Christenverfolgung in Deutschland“ statt. Veranstalter sind die die Martinigemeinde, die Alliance Defending Freedom (ADF) mit ihrer Europazentrale in Wien und der „Gemeindehilfsbund“.
Die ganztägige Veranstaltung richtet sich vor allem an das predigende Personal, fast ausschließlich Männer, und widmet sich überwiegend den Abwehrmaßnahmen einer säkularen Gesellschaft gegen die missionarischen und öffentlich offensiv vorgetragenen Religionsbekundungen. Hier sind es vor allem die Gehwegbelästigungen vor Pro Familia Einrichtungen oder die offensiven verbalen Ausfälle gegen z.B. Christopher Street Day Veranstaltungen aus dem evangelikalen Spektrum.
Ein Blick auf die Veranstalter offenbart den größeren Rahmen des evangelikalen Engagements. Die Alliance Defending Freedom (ADF) ist eine in den USA ansässige Organisation, von der Correktiv schreibt, sie sein eine Mischung aus fundamental christlicher Lobbygruppe und einer aggressiven Anwaltskanzlei. In den USA war sie auf dem juristischen Feld federführend bei der Einschränkung des Rechts auf Abtreibung tätig. Sie formulierte die gesetzlichen Grundlagen für die fast vollständige Abschaffung des Selbstbestimmungsrechts von Frauen in 13 US Bundesstaaten. Ihre europäische Niederlassung hat ihren Sitz in Wien. Sie gibt erhebliche Mittel für Lobbyarbeit bei der EU aus und spricht dabei gezielt rechtskonservative Parteien an.
Die ADF wird von dem Leipziger Anwalt Felix Böllmann auf der Tagung vertreten, der schon Olaf Latzel in den Verfahren vor dem Landgericht Bremen verteidigt hat. Zudem veröffentlichte Böllmann zusammen mit dem Leiter der evangelikalen Nachrichtenagentur IDEA, David Wengenroth, ein Buch zum Verfahren gegen Latzel. Im Werbetext heißt es:
„Enthüllendes Sachbuch zum Fall Olaf Latzel. Justizskandal, politische Rufmordkampagnen und die Bedrohung der Meinungsfreiheit. Ein Lehrstück für Demokratie.
Ein evangelischer Pastor, konstruierte Vorwürfe, fast fünf Jahre juristische Verfolgung und eine gezielte Rufzerstörung – der „Fall Latzel“ offenbart, wie die Meinungsfreiheit durch gezielte Rufmordkampagnen untergraben werden kann. Die Autoren decken auf, wie Justiz und Medien zusammenwirkten, um eine unliebsame Person mundtot zu machen. Am Beispiel des Bremer Justizskandals zeigen sie exemplarisch, wie gefährlich eine Vermischung von Politik, Moralismus und Rechtsprechung ist.“
Die Millionen aus dem Etat der ADF Europa stammen von unbekannten Spendern aus den USA, die mit diesem Geld eine gezielte Einflussnahme auf nationale und europäische Gesetzgebung zu betreiben. Die Einschränkung des Rechts auf Abtreibung steht dabei im Vordergrund.
Der weitere Bündnispartner der evangelikalen Martini Gemeinde ist der Gemeindehilfsbund aus Walsrode. Hier sammelt sich ein spezifisches Spektrum militant Evangelikaler mit dem Zweck der gezielten Stärkung von Bibeltreuen innerhalb der evangelischen Landeskirchen. Dazu werden vor allen Tagungen und Evangelisationsveranstaltungen angeboten. Mit dem Gemeindehilfsbund veranstaltet die Martinigemeinde seit längerem Veranstaltungen im Bremen. Der oft in Martini auftretende Prediger Johann Hesse aus Verden hat dort im Kreise der Querdenkeraufmärsche eine tragende Rolle gespielt, die in Verden in Kooperation mit der AfD durchgeführt wurden.
Nach den Auftritten von Peter Hahne im Jahre 2025 in der Martinikirche, nimmt der Anteil von überregionalen Veranstaltungen mit offensiv politischen Botschaften in der Martinigemeinde deutlich zu.
Martini sollte in der Wahrnehmung nicht nur als bibeltreue Fangruppe um ihren Pastor verstanden werden, sondern als Mosaikstein der Rechtswende in Europa. In den USA haben die Evangelikalen vorgemacht wie sie als Ideologie der Rechtswende wirksam agieren können und damit auch perspektivisch ihre eigene Stellung sichern wollen.
Latzel und die ganze Blase um die Martinigemeinde sind nicht nur einem mittelalterlichen patriarchalen Frauenbildes und Queerfeindlichkeit verfallen, sie sind hochpolitisch, stramm Rechts.
Link zu ADF