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Tiefe Krise der evangelischen Kirche in Bremen

Bisher sind die Jahre 2025/26 zu einer Reihe von Pleiten, Skandalen und Verlusten für die Bremische Evangelische Kirche (BEK) geworden.

Im Sommer 2025 meldete Petri und Eichen, der größte Jugendhilfeträger Bremens, mit über 500 Beschäftigten Insolvenz an. Die von der Stadt gegenfinanzierten Kerngeschäfte gingen an einen anderen Träger. Zahlreiche Einrichtungen wurden geschlossen oder sind noch in Abwicklung. Petri und Eichen war eine Tochter der Dom und der Ansgari Gemeinde. Damit verringert sich kirchliche Missionsarbeit im Sozialbereich erheblich. Mit betroffen auch das langjährige Vorzeigeprojekt der Kirche in Bremen Nord, das Haus der Zukunft. Es ging in Petri und Eichen auf und steht jetzt vor dem Verkauf als Bürogebäude.

Anfang 2026 musste die BEK ihre drastischen Mitgliederverluste vermelden. Nur noch 145 146 Menschen waren zum Stichtag 31.12.2025 Mitglieder der BEK, davon etwa 8000 aus dem niedersächsischen Umland und Bremerhaven. In der Stadt Bremen sind nur noch 23 Prozent der Menschen Mitglied der BEK. Zum Vergleich, 1970 waren es noch 481 000, im Jahre 2001 noch 254 433. Dabei nimmt der Abwärtstrend an Fahrt auf. Im Jahre 2001 waren es 2882 Austritte, 1,1 Prozent aller Mitglieder. 2025 traten ca. 3250 Mitglieder aus, der Anteil der Austritte stieg auf 2,25 Prozent. In den drei Jahren 2023 bis 25 verlor die Kirche 18710 Mitglieder, ein Verlust von 11,4 Prozent.

Aber 145 000 Mitglieder sind keine relevante Größe, denn 97 Prozent dieser in den staatlichen Listen verzeichneten Personen, gehen nicht zu Gottesdiensten, sind also „Karteileichen“.

Der Schrumpfungsprozess wird organisatorisch durch Fusionen von Gemeinden vollzogen. Diese Entwicklung führt auch zur Reduzierung des predigenden Personals. Dazu ein Beispiel, vor der Fusion verfügten die vier Vegesacker Gemeinden über fünf Pastor*innen, jetzt sind es nur noch drei. Von 61 Gemeinden im Jahre 2022 sind es jetzt noch 51.

Und letztlich blieb die BEK nicht von Missbrauchsfällen verschont. Nach der jüngsten Entlassung des Leiters des Mädchenchors an der Domgemeinde und des für Jugendarbeit zuständigen Diakons bei der St. Martini Gemeinde in Lesum fällt die enorme Dichte von Missbrauchsfällen in kirchlichen Einrichtungen auf. Kirche scheint kein sicherer Ort für Kinder zu sein.

Auch intern läuft es nicht rund. Die BEK hat sich lange von den homophoben Äußerungen des auf ihrer Gehaltsliste stehenden Pastors Olaf Latzel distanziert. Jetzt ist eine BEK Einrichtung neue Kooperationen den Ultraevangelikalen von Latzels Martinigemeinde eingegangen. Es wird gemeinsam missioniert. Lighthouse, die missionarische Einrichtung der BEK übt gemeinsam mit Latzels Gemeinde, wie Menschen im Haustür-, und Straßengespräch für Jesus gewonnen werden können. Gleichzeitig findet in Latzels Gemeinde ein Event mit zentralen Akteuren der weltweit agierenden Evangelikalen Rechten statt. Die ADF ist der Kooperationspartner der Martinigemeinde in der BEK. Sie hat ihren Ursprung in der evangelikalen Bewegung der USA und wird von dort maßgeblich finanziert. Ihre Mission: Verbot der Abtreibung, es gibt nur Mann und Frau in der Ehe und Frauen gehören an den Herd und bekommen Kinder.

Die BEK wird ganz offensichtlich zerrieben zwischen einer säkularen Gesellschaft, die angesichts der wissenschaftlichen Erkenntnis über das Universum, die Bibel auf das Format eines Märchenbuchs reduziert hat und den unverbesserlichen Bibeltreuen der evangelikalen Bewegung.