You are currently viewing Werbespot für Latzel

Werbespot für Latzel

Rechtslastiger brainwash

„Umstritten und erfolgreich“, so titelte der Weser Kurier, das konservative Monopolblatt in Bremen, über die Martinikirche des evangelikalen Predigers Olaf Latzel. Als Belege für die erfolgreiche Tätigkeit, gelten die bis zu 500 sonntäglichen Besucher von Latzels Predigten. Darüber hinaus verfolgten bis zu 70 000 Abonnenten den Youtube Kanal der Martinigemeinde. Ob alle Abonnenten auch regelmäßige Zuhörer sind lässt sich nicht verifizieren.

Unstrittig ist, die Martinigemeinde ist das norddeutsche Leuchtfeuer der rechtskonservativen Evangelikalen. Prediger Latzel ist eine feste Größe der extrem evangelikalen Szene, die manchmal sogar den durchschnittlichen Evangelikalen der evangelischen Allianz, ob ihres Sprachgebrauchs zu radikal wirkt. Wer den Gemeindebrief der Martinigemeinde verfolgt, wird feststellen, dass aus der halben Republik Menschen nach Bremen fahren, um bei Latzel ihre Kinder taufen oder sich trauen zu lassen. Latzel ist zur Zeit der lauteste und bekannteste Prediger des Netzwerks „Bibel und Bekenntnis“, das von Ulrich Parzani, dem ehemaligen Vorsitzenden des CVJM, geleitet wird. Die Anhängerschaft von Latzel und der Martinigemeinde ist sozusagen das letzte Aufgebot der bedingungslosen buchstabengetreuen Auslegung der Bibel. Was Latzel heute in Bezug auf Homosexualität predigt, war noch vor 40 Jahren die programmatische Grundlage fast aller evangelischen Landeskirchen. Wäre die Martinigemeinde nicht Mitglied der evangelischen Landeskirche und würde aus den Kirchensteuern aller Bremer Mitglieder bezahlt, würde man sie als eine religiöse Sekte bezeichnen. Ihre innere Struktur, im Weser Kurier Artikel ausführlich beschrieben, als auch ihre dogmatische Religiösität sind Anzeichen eines sektenhaften Verhaltens.

Und nicht nur das, die regelmäßigen Besuche von rechtskonservativen Größen wie Peter Hahne oder dem Bibelwerk zeugen von einer engen Verbundenheit mit dem rechten Rand.

Aber ist das erfolgreich, wie der Weser Kurier behauptet? Erfolgreicher als die anderen Gemeinden der evangelischen Landeskirchen? Eindeutig nein. Latzel und seine Gemeinde ziehen die letzten völlig vernarrten Bibelkundigen aus großen Teilen Norddeutschlands an. Der „Sprengel“ der Martinigemeinde umfasst also mehrere Millionen Menschen. Gemessen am Einzugsbereich der Martinigemeinde, der ganz offensichtlich eine Tagestour beinhaltet, sind bis zu 500 Menschen bei einem Gottesdienst nicht viel.

Ganz offensichtlich, das zeigen die Austrittszahlen der Landeskirchen, ist christlicher Bibelglaube ein Auslaufmodell. Bildung und Wissenschaft haben die biblischen Sagen und Geschichten auf das Maß der Story vom Osterhasen oder vom Klapperstorch, der die Kinder bringt, reduziert. Märchen eben.

Dass Märchenerzähler wie Latzel, Kyrill in Moskau oder Ali Erbas in Ankara in Verbindung mit autoritären Herrschaftsmodellen gefährlich sein können, muss zur Vorsicht im Umgang mit Latzel und seinesgleichen mahnen. Denn Latzel und die Martinigemeinde sind nicht allein. Die fälschlich als „Freikirchen“ bezeichneten evangelikalen Sekten gehören ebenso dazu, wie die „korantreuen“

Moscheegemeinden von Milli Görüs oder den Muslimbrüdern (Zehn davon in Bremen).

Dem Weser Kurier ist mit seinem ganzseitigen Bericht eher ein Werbeblock für Martini gelungen. Latzel wird für die Redaktion beten.