Johannes fast allein

Johannes fast allein

Alljährlich rufen die Evangelikalen zur Gebetswoche. So auch in diesem Jahr vom 8. bis 15. Januar. In Bremen gab es zahlreiche Gottesdienste und Straßenmission. So richtig voll wurde es bei den jährlichen Highlights des evangelikalen Jahreskalenders allerdings nicht.

Einer der „Oberevangelikalen“, Johannes Müller, erschien mit seiner „Mobilen Kirche“, vielen Fahnen und unentwegten Anbetern des „Königs“ am 13. Januar auf dem Bahnhofsvorplatz in Vegesack. Gerade einmal 16 Personen trafen sich zum zentralen Event der „Evangelischen Allianz Bremen Nord“.

Auch die Evangelikalen haben es schwer ihre Leute zu mobilisieren. Deutschlandweit gibt es neue Austrittsrekorde bei den Amtskirchen, die 2022 insgesamt mehr als ein Million Mitglieder verloren haben. Die Zahl der GottesdienstteilnehmerInnen hat sich mehr als halbiert.

Da ist es schon verwunderlich, dass ausgerechnet die Evangelikalen, die immerhin Schwangerschaftsabbruch verbieten wollen, die gelebte Homosexualität für eine Sünde halten, die sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe propagieren und die Bibel wörtlich auslegen, die Frauen nicht auf die Kanzeln lassen und andernorts mehrheitlich Rechtspopulisten, autoritäre Regimes und Typen wie Trump und Bolsonaro unterstützen, oftmals den roten Teppich ausgerollt bekommen.

Immerhin 9 Veranstaltungen der Evangelikalen fanden im Bremer Dom, der angeblich so liberalen evangelischen Landeskirche statt, darunter auch der Abschluss mit Reinhardt Schink vom Hauptvorstand der deutschen Evangelikalen. Die evangelische Kirche sorgte dafür, dass alle Morgenandachten innerhalb der Gebetswoche bei Radio Bremen zwei von Evangelikalen gehalten werden konnten. Bürgermeister Bovenschulte hielt die Grußworte beim Gospeltreffen in der evangelikalen Markus Gemeinde. Und auch eine Redakteurin der Weser Kurier Beilage für Bremen Nord ließ es sich nicht nehmen in einem größeren Artikel alle Veranstaltungen der Gebetswoche aufzuführen, ohne ein einziges Mal das Wort „Evangelikal“ zu benutzen. Laut Bericht viele kleine evangelische Kirchengemeinden. Ob aus Unkenntnis oder Vorsatz sei dahingestellt.

Geholfen hat es Johannes Müller, der Straßenagitation mit der mobilen Kirche am 13. Januar nicht. Die Zahl der TeilnehmerInnen seiner öffentlichen Gottesanbetung war mehr als bescheiden. Immerhin ist doch Müller Leiter des Missionsprojekts Lighthouse der evangelischen Kirche, Geschäftsführer der Bremer Bibelgesellschaft, Mitglied des Vorstandes der Evangelischen Allianz in Bremen und darf auch bei seinem Bruder im Geiste, Olaf Latzel für dessen Gemeindebrief schreiben und auf die Kanzel der Martinigemeinde.