Krise in der katholischen Provinz

Krise in der katholischen Provinz

In dem zum Bistum Hildesheim gehörenden Dekanat Bremen-Nord der katholischen Kirche werden am 12. und 13. November neue Kirchenvorstände/Pastoralräte gewählt. Zum Dekanat Bremen-Nord gehören die Bremer Ortsteile Vegsack, Blumenthal und Lesum und der gesamte Landkreis Osterholz Scharmbeck in Niedersachsen mit insgesamt drei katholischen Gemeinden.

Die Krise der katholischen Kirche scheint auch in das Wahlverhalten und die Kandidaturbereitschaft der Mitglieder zu Kirchengremien durchzuschlagen. Die Themen, die zur Verunsicherung der Mitgliedschaft beitragen, sind vielfältig. Unlängst titelte die konservative katholische Tageszeitung „Tagespost“: „Der Papst ruft die deutschen Bischöfe zur Umkehr auf“. Andere treten aus, weil der Reformprozess in der katholischen Kirche nicht von der Stelle kommt. Und dann ist da noch der Skandal um die Verweigerung der Bistümer die Missbrauchsfälle innerhalb der kirchlichen Strukturen aufzuarbeiten.

So verlor das Dekanat Bremen-Nord seit der letzten Gremienwahl im Jahre 2018 mehr als 10,6 Prozent der wahlberechtigten Mitglieder. Geblieben sind noch 13 985 eingetragene Mitglieder über 16 Jahre bei einer EinwohnerInnenzahl von ca. 215 000 des Dekanatsbereichs. 2018 waren aus Mangel an Kandidierenden bereits Kirchenvorstände und Pastoralräte zusammengelegt worden. Die Wahlbeteiligung lag 2018 bei mageren 4,8 Prozent.

Bekanntlich kommt vor dem Kirchenaustritt die innere Abkehr, der Rückzug aus kirchlichen Gruppen und Ämtern und das Fernbleiben vom Gottesdienst. Innerhalb des Bistums Hildesheim sank die Teilnahmequote bei Gottesdiensten von 8 Prozent im Jahre 2019 auf 3 Prozent in Jahre 2021.

So ist denn auch die Kandidaturbereitschaft innerhalb des Dekanats Bremen-Nord ein Ausdruck der Sinnkrise und Massenflucht aus der Kirchenverbundenheit. In Blumenthal gibt es 11 Mitglieder des Pastoralrates zu wählen, aber mit großen Mühen auch nur 11 KandidatInnen. Im Landkreis Osterholz Scharmbeck gibt es eine „echte“ Auswahl, auf 12 zu besetzende Sitze kommen 13 KandidatInnen.

Noch trister scheint die Situation in Vegesack zu sein, von den 4600 Katholiken sind gerade einmal 10 Personen bereit für den Pastoralrat zu kandidieren. 2018 wurden noch 14 Mitglieder und 4 Ersatzmitlieder gewählt. Jetzt bleiben Stühle im Pastoralrat unbesetzt.

Gottesglauben und Kirchenverbundenheit nehmen deutlich ab, das ist gut so. Es ist aber auch Zeit daraus Schlussfolgerungen zu ziehen und die Kirchenprivilegien endlich abzuschaffen.