Die Evangelische Kirche in Bremen und die Evangelikalen

Die Evangelische Kirche in Bremen und die Evangelikalen

Olaf Latzel ist nur die Spitze des Eisbergs

Wie unterscheiden sich Evangelikale von der evangelischen Kirche ?

Evangelikale sind eine besonders bibeltreue, also an der wörtlichen Auslegung der Bibel orientierte Strömung in der evangelischen Glaubensgemeinschaft. Weltweit stellen sind die große Mehrheit, in Deutschland sind sie mit etwa 1,3 Millionen Mitgliedern, in der Minderheit. Ein Teil der Evangelikalen bewegt sich mit ihren Gemeinden innerhalb der evangelischen Kirche, der andere Teil ist in sogenannten Freikirchen wie z.B. Pfingstlern oder Baptisten organisiert. Ihr gemeinsamer Dachverband ist die Evangelische Allianz.

Sex vor der Ehe ist nach ihrer Bibelauslegung ebenso sündig wie Abtreibung oder Scheidung. Homosexualität und Gender sind in ihren Augen ein Angriff auf „Gottes Schöpfungsordnung“. Im politischen Raum streiten sie für ein absolutes Abtreibungsverbot, gegen die Ehe für alle und gegen Sterbehilfe. Sie sehen Menschen als Sklaven Gottes (Latzel) und fordern die Unterordnung auch unter autoritäre Regime. Zur Durchsetzung dieser Ziele gehen sie häufig Bündnisse mit rechten politischen Parteien und Bewegungen ein. Beispiele Trump und Bolsonaro, Morrison / Australien. Hierbei hilft ihre beidseitige politische Nähe in Fragen der Familie, Homosexualität und das rückständige Frauenbild. Evangelikale und Rechte teilen ein autoritäres Weltbild, dem weltlichen Anführer als auch Gott gilt Gehorsam und Unterordnung. Dabei tauschen sie politische Unterstützung gegen religiöse Privilegien. Diesen Prozess können wir auch bei anderen Religionsgemeinschaften vorfinden, so etwa bei Putin und dem orthodoxen Kyrill, Viktor Orban und der katholischen Kirche und den Evangelikalen in Ungarn, Erdogan und den türkischen Sunniten.

In Bremen streiten 25 evangelikale Kirchengemeinden aus der evangelischen Allianz für ihre Grundsätze. Ihr bekanntester Vertreter ist der Pastor der Martini-Gemeinde Olaf Latzel. Diese 25 evangelikalen Kirchengemeinden allein wären allenfalls ein kleiner Kreis von überwiegend grauhaarigen Menschen. Der Einfluss der Evangelikalen in Bremen resultiert zu einem großen Teil aus ihren Sozial- und Bildungseinrichtungen. Sie betreiben zwei Schulen mit insgesamt 1.600 Schüler*innen, die „Freie Evangelische Bekenntnisschule“ (FEBB) und die „Privatschule Mentor“. Außerdem gibt es 16 Kindergärten, Jugendwohngruppen, Qualifizierungsmaßnahmen, Wohn- und Pflegeeinrichtungen evangelikaler Träger. Ca. 1.000 Menschen stehen bei den Evangelikalen auf den Gehaltslisten.

Mit diesen Einrichtungen betreiben sie Mission, dies wird deutlich an der Ausschreibung einer Stelle für die Kindergartenleitung der evangelikalen Abraham-Gemeinde. Als Einstellungsvoraussetzung wurde das Bekenntnis zu den Grundsätzen der Evangelischen Allianz genannt. Damit ist klar, es geht den Evangelikalen nicht um die soziale Betreuung von Kindern, sondern um Missionierung in den Einrichtungen. Durch die FEBB haben sie die Möglichkeit, ihre eingangs beschriebene menschenausgrenzende aggressive Sexualmoral an Kinder und Jugendliche heranzutragen.

Finanziert wird dieser riesige Missionierungsapparat der Evangelikalen überwiegend aus öffentlichen Steuermitteln der Bildungs- und der Sozialbehörde, den Pflegekassen und der Bundesagentur für Arbeit. Erst damit wird es den Evangelikalen möglich tausende Menschen anzusprechen und in ihren Einrichtungen zu „betreuen“. So können staatlich finanzierte Sozialeinrichtungen als Basis zur Missionierung und Verbreitung ihrer biblischen Auslegung genutzt werden.

Die Evangelische Kirche in Bremen und die Evangelikalen

Acht von 57 Kirchengemeinden der Evangelischen Kirche in der Stadt Bremen (BEK) sind im evangelikalen Netzwerk, der Evangelischen Allianz organisiert. ( Söderblom, Martini, Matthäus, Markus, Abraham, Hohentor, Johannes – Sodenmatt, Ephiphanias-Vahr). Darüber hinaus sind zwei landeskirchliche Gemeinschaften (Blumenthal und Walle) sowie das Innenstadtprojekt Lighthouse im evangelikalen Netzwerk organisiert. In den 6 ständigen Ausschüssen der BEK sind Evangelikale vertreten. In einigen zentralen Funktionen der BEK finden sich Evangelikale. So der Leiter des innerstädtischen Missionsprojekts Lighthouse, Johannes Müller, der Beauftragte der BEK für den Kontakt zu zugewanderten christlichen Gemeinden, Rüder Kurz (Abrahamgemeinde) oder zweite Friedensbeauftragte der BEK, Andreas Hamburg.

Die Förderung der Evangelikalen durch die Leitung der BEK hat ab dem Jahre 2013 mit der Neuwahl des Kirchenausschusses unter Vorsitz von Edda Bosse begonnen. Bei dieser Wahl haben sich vor allem Vertreter*innen aus der Domgemeinde und einigen anderen Gemeinden der „besseren“ Stadtteile durchgesetzt. Unmittelbar nach der Wahl wurden Pläne für das Missionsprojekt Lighthouse geschmiedet und dieses begann 2014 mit öffentlichen Auftritten. Johannes Müller, ein stadtbekannter Evangelikaler, der schon an der Organisation des evangelikalen Christival Treffens 2008 in Bremen maßgeblich beteiligt war, wurde eingestellt. Er schreibt regelmäßig für den Gemeindebrief von St. Martini (Latzel) und hat dort auch schon gepredigt.

Bei Außenkontakten stellt er sich regelmäßig als Vertreter der BEK vor. Dies öffnet im viele Türen. So 2015 im Lagerhaus Schildstraße als mehrere „Lobpreisungsveranstaltungen“ durchgeführt wurden. Nach Bekanntwerden seiner Herkunft als Evangelikaler Missionierer wurde Lighthouse vor die Tür gesetzt, da sich das Lagerhaus getäuscht sah. In den letzten Jahren hatte er große Weihnachtsliedersingveranstaltungen im BSV Stadion mit tausenden Teilnehmer*innen in Walle durchgeführt. Unterstützt vom BSV, dem Weser Kurier und Bremen vier. Lighthouse ist das Trojanische Pferd der Evangelikalen in die Bremer Zivilgesellschaft. Der Ansprechpartner für die Medienkampagne „Gott spricht in Bremen“ ist der aus Kirchensteuermitteln der BEK finanzierte Johannes Müller, der auch dem 9 köpfigen Leitungsgremium der evangelischen Allianz Bremen angehört.

Die evangelikale St. Markus Gemeinde gelang es sogar, unter dem Schirm der BEK, mit ihrem Diakon, in einer Bremer Oberschule Frühstückangebote und eine Jungengruppe innerhalb der Nachmittagsbetreuung anzubieten. Die Zielgruppe waren Jugendliche im Konfirmandenalter. Ein Schelm, wer hier gezielte Konfirmandenanwerbung vermutet. Auch im Angebot der evangelischen Jugend, die auch an 20 staatlichen Oberschulen in Bremen Unterrichtseinheiten anbieten, finden sich Evangelikale im Referentenpool.

Edda Bosse findet die Arbeit der Evangelikalen „ganz toll“

(buten und binnen, 3. März 2021). Allein die raue Tonlage des in der Öffentlichkeit verpönten Latzel trübt die innige Zusammenarbeit zwischen Kirchenleitung und ihren Evangelikalen. So profitieren die Evangelikalen von den Steuer-, und Zuwendungsprivilegien der BEK, zahlen z.B. keine Grundsteuer. Ihre Spender können diese von der Einkommenssteuer absetzen und der Staat zieht für sie die Kirchensteuer ein. Innerhalb der BEK gibt es ein Finanzierungssystem, nach dem die Zuwendungen an die Gemeinden berechnet werden. Auffällig ist, dass auch für missionarische Tätigkeiten insbesondere an die Evangelikalen Gemeinden, über den Mitgliederschlüssel hinaus, erhebliche Mittel vergeben werden.

Die Bremer Evangelikalen innerhalb der Evangelischen Landeskirche (BEK) und die Kirchenleitung sind eine innige Symbiose eingegangen. Die Kirchenleitung einer völlig überalterten, stark schrumpfenden Kirche, (jährlicher Mitgliederrückgang zwischen 5 bis 6.000, einer Taufquote von ca. 15 Prozent der Neugeborenen und 95 Prozent inaktiven Mitgliedern) erhofft sich von den Evangelikalen eine Umkehr vom Weg in die Bedeutungslosigkeit. Dafür erhalten die Evangelikalen hauptamtliche Funktionen und finanzielle Unterstützung bei ihren Aktivitäten.

Schlussfolgerungen

Wer die Quelle von Homophobie und Queerfeindlichkeit, durch die wortgetreue Bibelauslegung, trocken legen will, kommt nicht umhin ihnen den staatlichen Geldhahn für ihre Missionsprojekte abzudrehen und sie in der Zivilgesellschaft zu isolieren. Dies muss sich vor allem an die Bildungs-, und die Sozialbehörde richten, die jährlich Millionen für Evangelikale Missionseinrichtungen freigeben.

Ausführliche Informationen zu den Evangelikalen und ihren Strukturen in Bremen finden sich unter: https://religionsfreiinbremen.de/evangelikale/

Der Weg zum Kirchenaustritt beginnt hier: https://religionsfreiinbremen.de/kirchenaustritt/

Eine Information von religionsfreiinbremen.de