Christliche Bekenntnisschulen wollen mehr Geld

Christliche Bekenntnisschulen wollen mehr Geld

Angeführt von den katholischen Schulen in Bremen, starten die Privatschulen einen neuen Anlauf für eine höhere Förderung ihrer Bildungseinrichtungen. Dazu haben sie eine Petition bei der Bürgerschaft initiiert, mit deren Hilfe sie eine höhere Bezuschussung ihrer Schulen erreichen wollen. Die Bezeichnung „Privatschule“ bzw. „freie Schule“ führt jedoch in die Irre. Die Bremer Privatschulen sind überwiegend religiöse christliche Bekenntnisschulen.

In Bremen besuchen ca. 10 Prozent aller Schüler:innen eine Privatschule. Von den ca. 6300 Schüler:innen gehen etwa 85 Prozent auf eine christliche Schule, in denen die Lehrpläne und vermittelten Inhalte zum Teil im Widerspruch zu wissenschaftlichen Erkenntnissen („Schöpfung der Erde vor 6000 Jahren“) humanistischen Erziehungszielen („Homosexualität ist eine Sünde“) und frauenfeindlichen Positionen bestehen.

Darüber hinaus wirken diese Schulen zum Teil offensiv gegen eine Integration aller Kinder dieser Stadt. Über das Schulgeld werden zum Teil Kinder von Eltern mit geringerem Einkommen vom Besuch der Privatschulen ausgeschlossen. In einigen dieser christlichen Bekenntnisschulen finden sich kaum Kinder aus Zuwandererfamilien.

In den vier katholischen Schulen werden etwa 1800 Kinder beschult. Hier findet ein an die katholische Kirchenlehre orientierter Unterricht statt. Beispiel ist etwa die jährliche Fronleichnamsprozession im Bürgerpark. Hier nehmen fast alle Kinder aus den katholischen Schulen teil. Nur so kommt es zu den ca. 2000 teilnehmenden Personen

Die Evangelikalen betreiben zwei Schulen, die Freie Evangelischen Bekenntnisschule (FEBB) und die Privatschule Mentor. Die FEBB mit ihren verschiedenen Standorten beschult etwa 1600 Kinder. Diese stammen überwiegend aus dem Stadtteil Habenhausen (Privatschüler:innenanteil 30 Prozent) und stark religiös geprägten Elternhäusern. Lehrerschaft, Vorstand des Trägervereins und UnterstützerInnen entstammen den ca. 25 evangelikalen Kirchengemeinden und Sekten aus Bremen und dem Umland. Hier wird in extremer Weise eine bibeltreue Weltsicht vermittelt. SchülerInnen werden systematisch in die Angebote der umliegenden Evangelikalen Kirchen einbezogen. Zu nennen ist vor allem die Paulusgemeinde, berüchtigt geworden durch ihren Prediger Bröckel, der Homosexuelle einer Konversionstherapie unterziehen wollte (NDR Film, „die Schwulenheiler zwei“). Die FEBB fungiert als Kaderschmiede der evangelikalen Bewegung in Bremen. Der ehemalige stellvertretende Schulleiter entstammt der Martinigemeinde von Olaf Latzel.

Die Privatschule Mentor gehört dem Sozialwerk der freien Christengemeinde an, einer Einrichtung der Pfingstkirchen in Bremen.

In den vier Waldorfschulen gibt es etwa 900 Schüler:innen. Die Waldorfschulen agieren im Verbund mit der Anthroposophischen Gesellschaft und der „Christengemeinschaft“, der Michael Kirche“ in der Kleine Meinkenstr. 4. Sie orientieren sich an den antisemitischen zum Teil rassistischen und esoterischen Lehren von Rudolf Steiner. Heute sind sie eng verbunden mit Querdenker:innen, Anhänger:innen der Fake Info vom „Great Reset“. Die Waldorfschulen werden faktisch von einer religiös esoterischen Sekte organisiert.

Weiterhin gibt es zwei weitere evangelische Schulen, das Nebelthau Gymnasium in Lesum, mit einem Schulgeld von bis zu 450 Euro monatlich und das Ökumenische Gymnasium in Oberneuland. In diesen Schulen wird christliche Orientierung mit dem Anspruch an eine Eliteschule für Besserverdienende verbunden.

Es gibt keinen vernünftigen Grund Schulen und Bildungseinrichtungen von religiösen Vereinigungen, Sekten und bibeltreuen Gruppen innerhalb der Amtskirchen zu unterstützen. Die Grundfinanzierung aus den Mittel der Bildungssenatorin pro Schüler:in für diese Schulen stammen aus allgemeinen Steuermitteln, die von allen Menschen in Bremen aufgebracht werden. Der weitaus größte Teil dieser steuerzahlenden Menschen hat mit religiösen Ideologien nichts am Hut und lehnt sie ab. Die Förderung von religiösen Bekenntnisschulen mit zum Teil bedenklichen Inhalten, die sich an den patriarchalischen Inhalten von mehr als 1000 Jahren alten Büchern orientieren, läuft den heutigen Bildungszielen für eine demokratische Gesellschaft diametral entgegen.

Wer gewaltsame Übergriffe auf queere Personen beklagt, wer Antisemitismus zurückdrängen will, wer Gewalt gegen Frauen anprangert, kommt nicht umhin feststellen zu müssen, dass die ideologische Quelle dieser vormodernen Sichtweisen in strenggläubigen religiösen Ansichten begründet sind. Die Konservierung und Reproduktion dieser menschenfeindlichen Auffassungen kann nicht Aufgabe staatlicher Bildungspolitik sein.

Aus der Binnensicht religiöser Gemeinschaften betrachtet, dienen diese Schulen der Missionierung, der Verbreitung ihrer Inhalte und der Stabilisierung der eigenen religiösen Nachwuchses, um diese von den gesellschaftlichen Diskursen und wissenschaftlichen Erkenntnissen abzuschotten. Bei konsequenter Anwendung dieser Schultheorie könnten alle Religionsrichtungen auf dem Betreiben „eigener“ Schulen bestehen und die Gesellschaft nach religiösen, sich gegenseitig als „Ungläubige“ bezeichnenden Gruppen selektieren.

Daran kann die Mehrheitsgesellschaft kein Interesse haben.

Insbesondere die Tatsache, dass die Amtskirchen immer mehr Mitglieder verlieren, die Gesellschaft sich in größerem Maße als eine säkulare versteht, mutet die Forderung nach mehr Geld für religiöse Schulen genauso rückständig an wie die Inhalte dieser Schulträger selbst.

Die Bildungsbehörde, der Senat und die Bürgerschaft sind gut beraten, dem Anliegen der christlichen Fundamentalisten nicht nachzugeben. Religiöse Bekenntnisschulen passen nicht mehr in die Zeit.